Geschenkwünsche der Kinder lenken

Zwei Mädchen betteln wegen einem Geschenk
Kann man die Geschenkwünsche der Kinder lenken?
Foto © Anja Greiner Adam

Weihnachten, der Geburtstag oder die Zeugnisausgabe - Hand aufs Herz: Kindern etwas zu schenken bereitet nicht nur den Jüngsten Freude. Es erweicht ebenso die Herzen der Eltern, wenn sie ihren Sprössling mit strahlenden Augen freudig grinsend umherspringen sehen. Und so passiert es häufig, dass wir den Wünschen unserer Kinder zu schnell nachgeben, ohne sie zu hinterfragen. Der Blick in deutsche Kinderzimmer verrät vieles, aber vor allem weckt es in uns wieder das Bewusstsein, in einer Überflussgesellschaft zu leben. Wie viele Actionfiguren, Markenpuppen oder Computerspiele finden sich darin, die Ihr Kind unbedingt brauchte und die doch so schnell wieder ihren Reiz verloren und nun nicht mehr das Interesse des Kindes wecken? Den meisten Eltern ergeht es so. Und sie stellen sich die Frage, wie kann ich nur die Geschenkwünsche meines Kindes lenken oder sie zumindest beeinflussen.

Sollte man Kindern "sinnlose" Wünsche ausreden?

Eltern haben in der modernen Mediengesellschaft einen schweren Stand. Selbst die Jüngsten werden bereits von allen Seiten beeinflusst. Unternehmen stehen vielzählige Möglichkeiten zur Verfügung, Einfluss auf die Geschenkwünsche der Kinder zu nehmen und dadurch natürlich ihren Absatz fleißig anzukurbeln. Zwischen Kindersendungen im TV wird Werbung mit den neuesten und aktuellsten Produkten gesendet. Neben Spots in Fernsehen und Radio, beeinflussen auch Medien wie das Internet oder Zeitungen die Wünsche von Kindern. Sie sind besonders anfällig und lassen sich hervorragend beeinflussen. Doch diese Angebote stimmen nur zu oft nicht wirklich mit den Interessen Ihres Kindes überein und sind zudem stark modeabhängig. Was heute noch ein "Must Have" ist, kann morgen bereits wieder out sein. Dabei gehen eine Menge Werte und Finanzen verloren.

Wie kann ich mein Kind in seinen Wünschen beeinflussen?

Es liegt in der Aufgabe der Eltern, die Wünsche ihrer Kinder zu hinterfragen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Dabei können Sie oder einfach nur das tägliche Leben zum Ideengeber werden. Damit die anfängliche Freude über ein Geschenk nicht bald zur Enttäuschung mutiert und die Wünsche ihrer Kinder in verträglichen Bahnen ablaufen, ist Ihr Einsatz gefragt. Sie selbst leben Ihrem Kind ein Konsumverhalten vor, argumentieren Sie also mit Beispielen aus Ihrem Alltag. Papa möchte auch gern einen Ferrari fahren, aber hat keinen. Hat Ihr Kind einen ausgeprägten Wunsch, können Sie ihm auch Alternativen aufbieten und die dazugehörigen Vorteile erläutern. Mit der neuen Action-Figur wirst du wahrscheinlich öfter allein spielen, mit einem neuen Fußball könntest du mit Papa sonntags auf den Bolzplatz gehen.

Eine weitere Möglichkeit, Kindern Werte zu vermitteln, ist sie mit einzubeziehen. Besonders preisintensive Geschenke bieten die Möglichkeit, Kinder je nach Alter und Fähigkeit auch finanziell daran zu beteiligen. Wünscht sich ein Zehnjähriger ein Schlagzeug, kann er durch Ferienjobs, Taschengeld und ähnliches seinen Beitrag dazu leisten, die Eltern stocken den Rest der Summe auf. So lernen Kinder den Wert eines Gegenstandes besser zu schätzen und zu achten, schließlich haben sie selbst viel Zeit und Mühe in das Geschenk investiert. Auch der Vergleich "für dieses Geschenk musste Mama einen ganzen Tag arbeiten" erleichtert Kindern, das Maß ihrer Wünsche zu erkennen. Hilfreich kann es sein, Wünsche nicht sofort zu erfüllen. Ihr Kind hat in drei oder vier Wochen womöglich ganz andere Vorstellungen von dem, was es unbedingt haben möchte. Die Anzahl an materiellen Wünschen zu begrenzen, zwingt Ihr Kind, genauer zu überlegen, was es sich wirklich wünscht. Auch die Erklärung, dass es nicht bei dem Geschenk selbst bleibt, kann die Entscheidung Ihres Kindes beeinflussen. Die neue Spielekonsole kostet den Betrag "X", was wird aus den Folgekosten? Ein neues Spiel kostet auch wieder Geld usw.

Sinnvolle Geschenke für Kinder

Grundsätzlich ist es für Eltern und Großeltern immer eine Freude, dem Kind etwas Schönes zu schenken und darauf verzichten, sollte man wirklich nicht. Gezieltes und bewusstes Kaufen werden Ihrem Kind gut tun und sein späteres Konsumverhalten als Erwachsener schon heute beeinflussen. Es muss auch nicht immer das pädagogisch wertvolle Geschenk sein. Es kommt auch nicht auf den Preis an. Vernünftige Geschenke können durchaus ihren Preis haben oder auch sehr günstig sein, es geht eben um Qualität statt Quantität. Beziehen Sie Ihr Kind in die Kaufentscheidung ein. Erläutern Sie, warum Sie ein Geschenk für gut befinden oder weswegen Sie es ablehnen und nicht erwerben werden. Ihrem Kind ist es vielleicht nicht bewusst, aber es bekommt so mehr Aufmerksamkeit als es beim schnellen Erfüllen von Wünschen der Fall ist. Es wird vorkommen, dass Sie Ihr Kind womöglich enttäuschen müssen und Ihr Sohn oder Ihre Tochter darauf nicht gut zu sprechen sein wird. Doch Ihnen obliegt die Verantwortung möglichst überzeugend auf Ihr Kind einzugehen. Umso früher Kinder in den Umgang mit Geld einbezogen werden, umso besser kommen sie auch im späteren Leben selbst damit klar.
Text: C. D. - Stand: 18.05.2017