Weihnachten in Österreich

Wiener Christkindlmarkt
Wie feiert man Weihnachten in Österreich?
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Das Weihnachtsfest hat in Österreich einen sehr hohen Stellenwert mit vielen alten Bräuchen. Allen voran bringt schlicht und einfach das liebe Christkind die Geschenke anstatt des Weihnachtsmanns. Es existiert sogar ein Verein ("Pro Christkind"), welcher die österreichische Christkind-Tradition und damit den eigentlichen religiösen Sinn von Weihnachten gewahrt wissen will.

Weihnachten in Österreich ist anders, wie man bereits an den einzelnen Begriffen merkt. Der Adventskranz wird hier Adventkranz (ohne "s") genannt, ebenso wie der Advent(s)kalender - und anstatt "an" Weihnachten sagt man auf österreichisch "zu" Weihnachten. Doch welche weihnachtlichen Traditionen pflegt man in Österreich noch? Welche Besonderheiten hält die Adventzeit bereit?

Weihnachtsbräuche in Österreich - Die Adventzeit

Die amerikanischen Gepflogenheiten haben auch vor dem traditionsbewussten Österreich nicht Halt gemacht. Manchmal glaubt man sich auch hier bereits im Oktober mitten in der Weihnachtszeit: Kaum ist der Osterhase in den warmen Süden abgedüst, lugt schon bald der Nikolaus aus den Regalen. Bereits Ende November werden fleißig Adventkränze mit echten Tannenzweigen gebunden, mit Kerzen, Schleifen und anderen Zweigen verziert. Die Adventzeit beginnt dann am ersten Adventsonntag, wenn an den Adventkränzen die erste von vier Kerzen entzündet wird. Um die Wartezeit auf das Christkind zu verkürzen, dürfen die Kinder ab dem 1. Dezember jeden Tag ein Fensterchen am Adventkalender, meist mit Schokolade gefüllt, öffnen. Am 4. Dezember, dem Fest der "Heiligen Barbara" werden Kirschzweige abgeschnitten und in Vasen mit frischem Wasser gestellt. Blühen die Barbara-Zweige zu Weihnachten, so sagt der Volksmund, wird es im nächsten Jahr eine Hochzeit geben. Der 8. Dezember, dem Fest von "Maria Empfängnis", ist eigentlich ein Feiertag. Seit einigen Jahren jedoch ist er zum größten Einkaufstag in der Vorweihnachtszeit geworden. Die Geschäfte öffnen allerdings aus "Rücksicht" auf die Kirche erst um 10 Uhr ihre Pforten. Doch halt, bereits am 5. Dezember wird die Wartezeit auf das Christkind für die Kinder unterbrochen.

Der Vorbote des Christkinds

Der Heilige Nikolaus, dessen Vorbild ein wohltätiger Bischof war, kommt mit seinem furchterregenden Begleiter, dem Krampus, am Abend des 5. Dezembers ins Haus. Der Nikolaus mit weißem Rauschebart, Nikolausmütze und Stab lässt sich von den Kindern Weihnachtsgedichte aufsagen, bevor er dann aus seinem Jutesack die kleinen Geschenke verteilt. Der Krampus mit seinen rasselnden Ketten, seinem Fellgewand, der Angst einflößenden, an einen Teufel erinnernden Maske und der Rute kommt allerdings nur bei den schlimmen Buben zum Einsatz. Vielerorts gibt es in den Tagen um den 5. Dezember oft ein lustiges Treiben beim Krampus- oder Perchtenlauf, wo sich gar schaurige Gestalten präsentieren.

Kekse-Backen und Wunschzettel schreiben - eine alte Tradition

Die Vorweihnachtszeit wird in Österreich auch dazu genützt, um wieder Glanz ins eigene Heim zu bringen: Es wird gewienert und geputzt, gebastelt, dekoriert und vor allem gebacken. Vanillekipferl, Lebkuchen, Zimtsterne, Bratäpfel... aus den Backstuben duftet es verführerisch nach frisch gebackenen Keksen. Für die Kinder ist es an der Zeit, dem lieben Christkind einen Wunschzettel zu schreiben. Dieser wird am Abend auf das Fensterbrett gelegt, um meist noch in der selben Nacht von diesem geholt zu werden.

In Christkindl, einem Ort bei Steyr in Oberösterreich wurde eigens ein Sonderpostamt eingerichtet. Dort besteht seit 1950 die Möglichkeit, Weihnachtsgrüße via "Christkindl" mit Sonderpoststempel zu verschicken. Zudem werden ans Christkind gerichtete Briefe standardisiert beantwortet.

Der Besuch auf dem Christkindlmarkt

Zur Tradition gehören auch die unzähligen Christkindlmärkte in vielen Städten und Ortschaften Österreichs. Der Wiener Christkindlmarkt am Rathausplatz blickt in etwa auf eine 700 Jahre lange Tradition zurück. Neben Kunsthandwerk, Christbaumkugeln, Kitsch und Kerzen, heißen Maroni und Lebkuchenherzen darf natürlich der Punsch oder Glühwein an den "Marktstandln" nicht fehlen. Das Besondere ist, dass einige Christkindlmärkte schon Mite November also vor dem 1. Advent öffnen und einige Märkte noch bis Anfang des neuen Jahres ihre Pforten öffnen.

Weihnachten in Österreich - Das Weihnachtsfest

Das Weihnachtsfest wird am Abend des 24. Dezember begangen, dem "Heiligen Abend". Doch was passiert noch im Laufe des Tages bis zur Bescherung? Das Friedenslicht aus Bethlehem wird an diesem Tag von Freiwilligen Organisationen wie der Feuerwehr oder dem Roten Kreuz verteilt. Tradition hat in Österreich auch die seit 1973 bestehende Aktion "Licht ins Dunkel", welche seit 1978 jährlich im österreichischen Fernsehen stattfindet. Hierbei handelt es sich um eine Spendenaktion des Österreichischen Rundfunks für Sozial- und Behindertenhilfe in Österreich. Hinter verschlossenen Türen wird der Christbaum, meist eine echte Tanne, geschmückt. Traditionellerweise werden die meisten Bäume je nach Geschmack mit echten Kerzen, bunten Christbaumkugeln, Strohsternen und Naschereien verziert. Wunderkerzen dürfen natürlich auch nicht fehlen. Kinder verkürzen sich die Wartezeit mit Fernsehen oder dem Besuch einer nachmittäglichen Kindermette. Manch ungezogener Bengel versucht oft mit einem Blick durchs Schlüsselloch das Christkind bei seiner Arbeit zu ertappen. (Tipps für das Warten auf den Weihnachtsmann) Ist das Christkind - welches übrigens immer durchs Fenster kommt und wieder entschwindet - endlich mit dem Schmücken des Christbaums fertig, so teilt es dies durch das helle Läuten eines Glöckchens mit. Spätestens dann glänzen nicht nur die Lichter am Christbaum, sondern auch die Kinderaugen. Jedes Kind behauptet selbstredend, es "gerade noch" davonfliegen gesehen zu haben. Während der Bescherung erklingt "Stille Nacht, Heilige Nacht", das wohl bekannteste Weihnachtslied, welches seinen Ursprung ebenfalls in Österreich hat. Den Text dazu verfasste der Salzburger Pfarrer Joseph Mohr, die Noten der Lehrer Franz Xaver Gruber. Am 24.12.1818 fand die Uraufführung dieses Liedes statt. Das Festessen an Heilig Abend besteht bei den meisten Familien aus Karpfen oder Truthahn. Nach der Bescherung macht man sich vielerorts zu Fuß zur mitternächtlichen Christmette auf. Die Weihnachtsfeiertage, der Christtag und der Stefanitag, werden fast immer damit verbracht, den Verwandten Besuche abzustatten oder selbst Verwandtenbesuche zu empfangen.

Das Ende der Weihnachtszeit

Die Weihnachtszeit selbst endet am 6. Januar, dem Fest der "Heiligen drei Könige". In den Tagen bis dorthin ziehen katholische Jugendliche in morgenländlichen Königsgewändern von Haus zu Haus und hinterlassen an den Türen den Haussegen C+M+B ("Christus Mansionem Benedicat" - Christus segne dieses Haus), welcher das Böse abhalten soll. Die meisten Christbäume werden ebenso bis zu diesem Tage wieder entfernt. Manchmal steht dieser allerdings bis zum 2. Februar in den österreichischen Wohnzimmern, dem Tag von Maria Lichtmess, dem eigentlichen Ende der Weihnachtszeit. Aber kaum jemand hat wirklich so lange die Geduld, die jeden Tag neu abfallenden Nadeln wegzuschaffen. Außerdem sollte dann wirklich Schluss mit dem Weihnachtsfeeling sein, immerhin scharren bereits wieder die (Schoko-)Osterhasen in den Startlöchern...
Text: R. G. R. / Stand: 18.05.2017