Weihnachten in den USA

Santa Claus sitzt am Weihnachtsbaum
Wie feiert man Weihnachten in den USA?
Foto: © Scott Hancock

Während Santa Claus vor einigen Jahren noch lediglich Amerikas Rauchfänge und Wohnzimmer unsicher gemacht hatte, sieht man den Dicken mit dem weißen Rauschebart nun mittlerweile auch schon an deutschen und österreichischen Häuserfronten empor klettern. Der Unterschied zwischen den amerikanischen und unseren Bräuchen gestaltet sich in letzter Zeit nicht mehr derart groß wie noch in unserer Kindheit.

Wie feiert man Weihnachten in Amerika?

Je nach Bundesstaat, Familienherkunft und Religiosität wird Weihnachten in den USA natürlich unterschiedlich gefeiert. Wie mittlerweile auch schon in Europa durchaus üblich, beginnt das Shoppingfieber schon sehr viele Wochen vor Weihnachten. Spätestens aber ab dem Thanksgiving Day, den die Amerikaner Ende November feiern, beginnt der Hype auf die Weihnachtsgeschenke. Weihnachtsparaden werden veranstaltet und im Fernsehen übertragen, die Häuser werden mit bunten Lichterketten behangen und Santa Claus ist in beinah jedem Kaufhaus zugegen. Sogar die Familien in den ärmeren Gegenden der USA lassen sich die Freude, ihr Haus in der Vorweihnachtszeit mit Lichtern zu verschönern, nicht nehmen.

Santa Claus wird mit Milch und Keksen gefüttert

Familien mit kleinen Kindern stellen große, meist mit elektrischen Kerzen und bunter Weihnachtsdekoration geschmückte Christbäume in ihre Wohnzimmer, während ältere Paare und Leute mit Hunden der Zweckmäßigkeit und Bequemlichkeit halber eher den kleinen Kunst-Christbaum vorziehen.

Die Amerikaner - vor allem die Südstaatler - sind ein überaus religiöses Volk. Manche Katholiken z.B. besuchen zu Heilig Abend eine 3- bis 4-stündige Messe, andere besuchen die normale heilige Messe am nächsten Tag.

Die Bescherung wird bei den meisten Familien mit Kindern am Morgen des 25. Dezember gefeiert. Am Vorabend stellen die Kinder Milch und Kekse ins Wohnzimmer, hängen ihre Söckchen an den Kamin (so vorhanden) und legen auch Karotten für die Rentiere hin. Über Nacht rutscht Santa Claus durch den Kamin, legt die Geschenke unter den hübsch verzierten Christbaum und befüllt die Söckchen mit kleinen Geschenken und Leckereien. Nach getaner Arbeit leert er das Milchglas und lässt nur ein paar Kekskrümel übrig. Die Karotten nimmt er natürlich für seine Rentiere mit... (Lesen Sie auch: Rudolph, das Rentier)

Der Rest des Christtags wird bei schönem Wetter im Freien verbracht. Spielzeuge und andere Geschenke werden ausprobiert - und falls das Wetter schlecht ist, sitzt man vorm Fernseher und sieht sich die traditionell am Christtag übertragenen "American Football"-Spiele an. Weihnachten ist wie bei uns auch die Zeit der großen Familienzusammenkünfte. Die Familien laden ihre Verwandten und Freunde zum ausgiebigen Essen ein oder nehmen ihre Mahlzeiten gemeinsam in Restaurants zu sich.

Weihnachtsbräuche in den USA: "Christkindlmarket" in Chicago

Wohl durch die im letzten Jahrzehnt rasant fortschreitende Globalisierung kam es zu einer Vermischung von Traditionen und Bräuchen auf der Welt. Der Weihnachtsmann vertritt das anscheinend schon recht überlastete Christkind beim Beschenken unserer Kinder, in Chicago hingegen bieten die Amerikaner - mit deutscher Unterstützung - seit Jahren einen sehr beliebten und gut besuchten "Christkindlmarket" mit Glühwein, Lebkuchen und ganz viel Weihnachtsstimmung an. Die Adventkränze der Amerikaner zieren selten Kerzen, hängen dafür aber weihnachtlich dekoriert an deren Haus- und Wohnungstüren. Diese Türkränze werden übrigens je nach Jahreszeit und Feierlichkeit verschieden dekoriert, können aus Plastik, aber auch aus den spitzen Blättern der Stechpalme bestehen. Ebenso ein Brauch, der auch bei uns in letzter Zeit Einzug gehalten hat.

Teils sehr kitschig anmutende, bunte Lichterketten rund ums ganze Haus, mit grellen Glühbirnchen beleuchtete Rentierschlitten samt Santa Claus in den Vorgärten - all das gibt es in Amerika schon seit langem. Zum Leidwesen vieler Europäer wird auch diese amerikanische Sitte von vielen einheimischen Zeitgenossen mehr und mehr übernommen - und teilweise leider maßlos übertrieben. Einen Nikolaus, der am 6. Dezember Geschenke bringt, gibt es übrigens gar nicht in den USA. Anstatt Schuhe vor die Tür zu stellen, hängt man eben die Strümpfe an den Kamin.

Allgemeine Amerikanisierung des mitteleuropäischen Weihnachten

Alles in allem kann eine allgemeine Annäherung Mitteleuropas an die amerikanischen Gepflogenheiten nicht abgestritten werden. Viele Unterschiede zu den amerikanischen Sitten und Bräuchen gibt es (leider) wirklich nicht mehr. Nicht umsonst kämpft ein Tiroler Pro-Christkind-Verein gegen die Arbeitslosigkeit des Christkinds und die Vorherrschaft des Weihnachtsmannes an...
Text: M. R. / Stand: 18.05.2017