Weihnachten in Irland

Landschaft in Irland
Wie feiert man Weihnachten in Irland?
Foto: © Thierry Maffeis

Obwohl Irland ein streng katholisches Land ist, bringt eigenartigerweise nicht das Christkind die Geschenke, sondern Father Christmas - der Weihnachtsmann. Die irischen Weihnachtsbräuche ähneln auch sonst deren der Engländer sehr. Dass es zum Weihnachtsfest meist recht feuchtfröhlich zugeht und Father Christmas mit Whiskey oder einer Flasche Guinness anstatt einem Glas Milch bedacht wird, überrascht ebenso nicht wirklich. (Weihnachten in England)

Wie feiert man Weihnachten in Irland?

Die Iren beginnen die Vorweihnachtszeit mit einem unfangreichen und ausgiebigen Hausputz vom Keller bis zum Dach. Danach wird das Haus weihnachtlich dekoriert, allem voran mit Mistelzweigen an der Eingangstüre, oft auch mit Türkränzen. Mistelzweige sollen Glück und Segen für das Haus und deren Bewohner bringen und böse Geister abschrecken. Treffen sich eine Frau und ein Mann zufällig unter einem Mistelzweig, so müssen sie sich dem Brauch nach küssen.

Die Adventkränze der Iren haben fünf anstatt der uns bekannten vier Kerzen. Drei der Kerzen haben eine lila Farbe, eine weitere ist rosa und die fünfte ist weiß und wird erst an Heilig Abend angezündet. Rote Weihnachtslaternen zieren die Straßen größerer Orte Irlands in der Adventszeit und Adventskalender verkürzen den Kindern die Zeit bis zur Ankunft des Father Christmas. Während das Dekorieren der Häuser mit Efeu, Stechpalmen, Kerzen und Girlanden in Irland schon länger Brauch ist, schmücken Weihnachtsbäume übrigens erst seit den 1960-er Jahren die irischen Häuser.

Weihnachtsbräuche in Irland

Father Christmas wirft dem Glauben nach die Geschenke für die kleinen und großen Hausbewohner durch deren Kamin. Die Kinder hängen daher an Heilig Abend Säckchen (keine Söckchen wie in England!) an den Kaminsims und stellen ihm eine kleine Pastete wie z.B. "Mince Pie" und eine Flasche Guinness oder Whiskey als Geschenk bereit. In der Nacht von Heilig Abend auf den 25.12. stellen die Iren Kerzen in ihre Fenster, um Maria und Josef auf ihrer Suche nach einer Herberge willkommen zu heißen. In der Zeit der Unterdrückung waren brennende Kerzen in den Fenstern angeblich auch ein Zeichen für Priester, dass sie an diesem Ort ungestört und unbehelligt ihre Messe abhalten konnten. Um Mitternacht besuchen die streng katholisch gesinnten Einheimischen die Mitternachtsmesse. Father Christmas kommt dann über Nacht und bringt die Geschenke, welche am nächsten Morgen mit großer Freude geöffnet werden. Neben den Verwandten werden im Übrigen auch z.B. der Postbote, der Friseur und weitere Dienstleistende mit kleinen Geschenken erfreut.

Am zweiten Weihnachtstag, dem St. Stephens Day, ziehen Kinder und Teenager mit Stechpalmenzweigen und darin befestigten Zaunkönig-Figuren (Vogelart) von Haus zu Haus und singen. Sie bekommen dafür Süßigkeiten oder Geld. Diese Zaunkönig-Prozession geht auf eine alte Legende (Verrat des heiligen Stephen durch einen Zaunkönig) zurück und war aufgrund seiner Brutalität - man hatte echte Vögel in den Stechpalmenzweigen festgebunden und teilweise bis zum Tode gemartert und den Hausbewohnern - meist in Gedichtform - mit Schlimmem gedroht, falls sie sich erdreisten und nichts spenden würden - zwischenzeitlich ziemlich unbeliebt. Die Weihnachtsdekoration bleibt bis zum 6. Januar, dem Dreikönigsfest. Wer sie davor entfernt, dem widerfährt dem (Aber-)Glauben nach ein Unglück. (Weihnachtsbräuche in Deutschland)

Eine weitere Tradition ist das Weihnachtsschwimmen. Am Weihnachtstag fahren viele Iren ans Meer. Entweder sind sie gut abgehärtet und trauen sich ins Wasser oder sie schauen einfach den anderen dabei zu.

Weihnachtsessen in Irland - Plumpudding und sehr viel Whiskey

Natürlich wird Weihnachten auch in Irland kulinarisch umfangreich gefeiert. Die Tische biegen sich unter Plumpudding mit Rum- oder Brandysauce, Truthahn, Räucherlachs, Krabben, aber auch Schinken, gewürztem Rinderbraten, Cranberrysauce, Brotsauce und vielem mehr. Selbstverständlich fließen auch ordentliche Mengen an Guinness und Whiskey. Das üppige Mahl muss doch schließlich hinunter gespült werden...
Text: M. R. / Stand: 18.05.2017