Weihnachtsgedichte

Kerze und Tannenzweig
Schöne Weihnachtsgedichte zum vorlesen und selber lesen / Foto © lightmachine

Schöne Gedichte zu Weihnachten

Wer vom Weihnachtsmann Geschenke haben möchte, muss auch ein Weihnachtsgedicht aufsagen können. Das ist in vielen Familien eine Tradition zu Weihnachten. Natürlich haben wir auch ein paar schöne Weihnachtsgedichte für Sie.

O schöne herrliche Weihnachtszeit

Heinrich Hoffmann von Fallersleben

O schöne, herrliche Weihnachtszeit,
was bringst due Lust und Fröhlichkeit!
Wenn der heilige Christ in jedem Haus
teilt seine lieben Gaben aus.

Und ist das Haus auch noch so klein,
so kommt der heilige Christ hinein,
und alle sind ihm lieb wie die Seinen,
die Armen und Reichen, die Großen und Kleinen.

Der heilige Christ an alle denkt,
ein jedes wird von ihm beschenkt,
drum laßt uns freun und dankbar sein!
Er denkt auch unser, mein und dein.

Knecht Rupprecht

Theodor Storm

Von drauß vom Walde komm ich her,
ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr.
Allüberall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein sitzen,
und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor.

Und wie ich so strolcht durch den finstern Tann,
da riefs mich mit heller Stimme an:
"Knecht Rupprecht", rief es, "alter Gesell,
hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan,
alt und junge sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn.
Und morgen flieg ich hinab zur Erden
denn es soll wieder Weihnachten werden!"
Ich sprach: "O lieber Herre Christ,
meine Reise fast zu Ende ist.
Ich soll nur noch in diese Stadt,
wo´s eitel gute Kinder hat."
- "Hast du denn das Säcklein auch bei dir?"
Ich sprach: "Das Säcklein, das ist hier,
denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
essen fromme Kinder gern."
-"Hast denn die Rute auch bei dir?"
Ich sprach: "Die Rute, die ist hier.
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
die trifft sie auf den Teil, den rechten."
Christkindlein sprach: "So ist es recht,
so geh mit Gott, mein treuer Knecht!"

Von drauß vom Walde komm ich her,
ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ichs hierinnen find!
Sind´s gute Kind, sind´s böse Kind?

Ave Maria

Ludwig Thoma

Es ist schon Feierabend gewest,
der heilige Josef hobelt noch fest.
Er macht wohl eine Liegerstätt
für einen Reichen zu Nazareth.

Die Jungfrau Maria hat noch genäht!
Zur Arbeit war es ihr nicht zu spät.
Sie fädelt wieder die Nadel ein,
die Arbeit muß morgen schon fertig sein.

Er hobelt weiter, sie näht das Kleid,
die Stube liegt bald in Dunkelheit.
Da öffnet ein Engel des Herrn die Tür
und sagt: "Maria, der Herr ist mit dir.

Ich trag eine frohe Botschaft bei.
Unter den Weibern du bist benedeit,
ja, deiner wartet das schönste Los.
Du trägst Herrn Jesus in deinem Schoß."

Jetzt ist der Engel wiederum fort.
Maria hört das fröhliche Wort
und lacht glücklich in sich hinein,
da würde sie nun bald Mutter sein.

Sie hat sich aber gleich aufgerafft
und hat gar fleissig weitergeschafft.
Der Josef hobelt an seinem Bett
für einen Reichen aus Nazareth.

Stand: 18.05.2017