Hochzeitsbräuche in Deutschland

Braut mit Schleier und Bräutigam
Einer der bekanntesten Hochzeitsbräuche ist der Brautschleier / Foto © Igor Negovelov

Wer schon einmal geheiratet hat, kennt vielleicht die Nervosität und die Angst vor der Ehe. Die Angst vor dem Ungewissen, vor dem, was das Eheleben wohl mit sich bringen mag. Man gibt ein Gelübde ab, um das restliche Leben mit einem anderen Menschen zu verbringen - in guten wie auch in schlechten Zeiten. Und natürlich ist die Hoffnung groß, dass die guten Zeiten überwiegen. Hochzeitsbräuche dienen dazu, diese Ängste zu nehmen, und einem jungen Ehepaar einen guten Start in die Ehe zu bescheren. Schließlich versetzt der Glaube Berge, und deshalb schenken uns Hochzeitsbräuche die nötige Zuversicht, dass die Ehe gut und lange verlaufen wird.

Überblick über die Hochzeitsbräuche

Es gibt unzählige Hochzeitsbräuche, die sich natürlich von Land zu Land unterscheiden. Wir möchten Ihnen hier die bekanntesten Hochzeitsbräuche in Deutschland vorstellen:

Junggesellenabschied

In unserer Gegend ist der Junggesellenabschied gang und gäbe. Dabei macht der zukünftige Bräutigam wenige Tage vor seiner Hochzeit mit seinen Kumpels sprichwörtlich "einen drauf". Was der Bräutigam alles durchmachen muss an diesem Abend, hängt alleine vom Ideenreichtum seiner Freunde ab. In jedem Falle nimmt er Abschied von seinem Junggesellendasein. In den letzten Jahren hat sich auch der Junggesellinnenabschied verbreitet, bei dem die Damen nochmal ordentlich feiern.

Polterabend

Der Polterabend - ein sehr alter Brauch aus vorchristlicher Zeit - dient dazu, böse Geister zu vertreiben, indem man Steingut und Porzellan zerschlägt. Glas darf nicht zerschlagen werden, denn das würde dem Glauben nach Unglück bringen. Die Scherben muss das Ehepaar gemeinsam wegkehren bzw. -räumen. Traditionellerweise findet der Polterabend am Tag vor der Hochzeit statt. In den letzten Jahren feierten aber immer mehr Paare eine Polterhochzeit. Also Polterabend und Hochzeit an einem Tag, wobei das "Poltern" aber vor der eigentlichen Hochzeit stattfindet. Bräuche zum Polterabend

Brautschleier

Ein Symbol der Jungfräulichkeit stellt der weiße Brautschleier dar. Früher war es auch üblich, dass die Braut mit langem, aufgelösten Haar - dem Zeichen der bewahrten Unschuld - vor den Traualtar trat. Übrigens galt das früher nur für die erste Ehe. Ging man eine zweite ehe ein, wurde diese ohne Brautschleier gefeiert.

Was Altes, was Neues, was Geliehenes, was Blaues

Etwas Altes, etwas Neues, etwas Geliehenes und etwas Blaues soll die Braut nach altem englischem Brauch ebenfalls mitführen am Tage ihrer Hochzeit. Das Alte steht für das bisherige Leben der Braut vor der Ehe, das Neue dient als Symbol für das beginnende Eheleben, das Geliehene steht für Freundschaft und soll der Ehe Glück bescheren, und zu guter Letzt das Blaue als Zeichen der Treue. Als Altes nehmen viele Bräute eine Kette einer lieben Verwandten als Geschenk an, das Neue ist oft das Brautkleid oder schlicht der Ehering, das Geliehene kann beispielsweise der Brautbeutel sein oder auch ein wertvolles Schmuckstück und das Blaue ist meist das Strupfband.

Brautentführung

Die Brautentführung geschieht bereits nach der Trauung, dabei ziehen die Entführer mit der Braut von Lokal zu Lokal oder feiern in einer separaten Gaststube. Der Bräutigam muss die Braut anschließend "auslösen", z. B. indem er die Zeche zahlt oder eine bestimmte Aufgabe löst. Dieser Brauch stammt aus dem Mittelalter und soll auf dem "Recht der ersten Nacht" basieren.

Brautstrauß

Blumen spielten schon immer eine wichtige Rolle bei Feierlichkeiten, so auch der Brautstrauß. Der Bräutigam besorgt den Strauß und übergibt ihn vor der Kirche seiner Angebeteten. Heutzutage besorgt sich die Braut den Strauß meist selbst, damit dieser zum Brautkleid passt, welches der Bräutigam ja vorher nicht sehen darf. Nach den Hochzeitsfeierlichkeiten versammeln sich die unverheirateten Frauen, und die Braut wirft ihren Strauß blindlings in diese Menge. Wer den Strauß fängt, soll dann die nächste Braut werden. Tipps zum Blumen verschenken

Streiche von Freunden

Sehr oft findet das Brautpaar nach der Hochzeit sein Zuhause in einem etwas veränderten Zustand vor. Das liegt an den Streichen, mit denen gute Freunde die Wohnung verwandeln. Es gibt eine Reihe sehr beliebter Scherze, die den Humor des frisch gebackenen Paares testen sollen: So müssen sich manche nach den schönen, aber anstrengenden Feierlichkeiten mühsam durch Myriaden von Luftballons im Schlafzimmer zum Ehebett zu kämpfen. Oder versteckte Wecker, die auf nächtliche Uhrzeiten programmiert sind, stören die Hochzeitsnacht. Auch hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.
Text: D. R / Stand: 18.05.2017