Schwibbogen aus dem Erzgebirge

Schwibbogen am Fenster und Bleche mit Plätzchen
Ein Schwibbogen aus dem Erzgebirge / Foto © Edith Czech

Pünktlich nach dem Totensonntag werden traditionell (nicht nur) im Erzgebirge die Häuser und Wohnungen weihnachtlich geschmückt. Neben Räuchermännchen, Nussknackern und Pyramiden sind es vor allem die Schwibbögen, welche mit ihrem sanften Lichterschein für gemütliche Stimmung sorgen und für viele Menschen einfach untrennbar mit der Weihnachtzeit verbunden sind. Weihnachtsdeko aus dem Erzgebirge

Aufbau des Schwibbogen aus dem Erzgebirge

Der Schwibbogen, welcher auch als Lichterbogen bezeichnet wird, ist fester Bestandteil der erzgebirgischen Volkskunst. Er basiert auf einer rechteckigen schmalen Grundplatte aus Holz oder Metall, auf der ein Bogen von einem Ende zum anderen gespannt ist. Im Inneren der so genannten Platine sind verschiedene Motive dargestellt - entweder als Laubsägearbeiten oder aber als gedrechselte oder geschnitzte Figuren. Der Bogen trägt meist elektrische Kerzen, jedoch werden auch noch Modelle gefertigt, welche mit Pyramidenkerzen oder mit Teelichten betrieben werden. Seinen Namen bekam der Schwibbogen übrigens aus der Architektur. Dort bezeichnet man einen Bogen, welcher frei zwischen zwei Mauern steht und von diesen gestützt wird, als Schwebebogen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus dann der Name "Schwibbogen".

Zur Geschichte des Schwibbogens

Das Erzgebirge und der Bergbau gehören zusammen. Die Bergleute sahen kaum das Tageslicht. Früh war es noch finster und abends, als sie ihre Schicht beendeten, erwartete sie ebenfalls nur Dunkelheit. Mithilfe von Kerzen und Grubenlampen wurde es hell unter Tage. Vor Weihnachten trafen sich die Kumpels, um gemeinsam die Mettenschicht zu begehen - eine Andacht mit anschließender Feier der Bergleute im Stollen. 1726 fertigte der Bergschmied Johann Teller eigens für diesen Anlass ein ganz besonderes Lichtergestell aus einem halbkreisförmigen Bogen, auf dem Wachskerzen Platz fanden. Aus dem Inneren arbeitete er ein Motiv heraus und schuf so den Vorläufer des ersten Schwibbogens, welcher seinen Namen allerdings erst viel später erhielt. Damals waren die Schwibbögen ausschließlich aus Metall und zeigten religiöse Motive. Das änderte sich etwa zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Ab dieser Zeit wurden neben Christi Geburt vor allem Themen aus dem Alltag der Erzgebirgischen Bevölkerung aufgegriffen. Schwibbögen sind heutzutage in der Regel aus Holz gefertigt, jedoch können auch Lichterbögen aus Metall erworben werden.

Schwibbogen aus dem Erzgebirge - Von traditionell bis hochmodern

Der typische Erzgebirgsschwibbogen zeigt in der Mitte zwei Bergmänner, eingerahmt von einer Klöppelfrau und einem Schnitzer. Hierbei handelt es sich um das Motiv von 1937, als der erste erzgebirgische Schwibbogen zur "Feieromd-Ausstellung" in Schwarzenberg als Werbeträger aufgestellt wurde. Weitere beliebte Motive sind Christi Geburt, Waldlandschaften und bekannte erzgebirgische Gebäude, wie beispielsweise die Seiffener oder die Annaberger Kirche. Moderne Interpretationen des Schwibbogens gewinnen immer wieder Designpreise und beweisen, dass dieses Stück erzgebirgische Volkskunst keinesfalls angestaubt ist. Als besondere Weiterentwicklung wird seit dem Jahr 2000 der 3D-Lichterbogen angeboten. Lichterbogenerhöhungen sorgen dafür, dass dieser weihnachtliche Fensterschmuck auch von außen gut sichtbar ist. Früher war das notwendig und das Licht aus dem Fenster half den Bergleuten, wieder sicher nach Hause zu finden. In Zeiten der elektrischen Straßenlaternen ist man darauf nicht mehr angewiesen. Heute möchte man mit den Schwibbögen im Fenster nicht nur für Gemütlichkeit im eigenen Heim sorgen, sondern auch die Passanten erfreuen, welche durch die weihnachtlich geschmückten Straßen und Gassen laufen. Ein erzgebirgischer Schwibbogen ist ein Stück echte Handwerkskunst von sehr guter Qualität und dazu ein Weihnachtsschmuck, der über viele Jahre (und nicht selten auch über Generationen) hinweg die Adventszeit mit seinem Lichterschein erhellt.

Was kostet ein erzgebirgischer Schwibbogen?

Das kommt auf die Größe an. Mini-Schwibbögen bekommt man schon ab ca. 10 Euro. Für einen "normal großen" Schwibbogen mit Kerzenhaltern muss man schon 60 - 150 Euro ausgeben. Für die elektrische Variante kann man zwischen 100 und mehr als 2000 Euro ausgeben (je nach Größe). Wer sich für die modernen LED-Lichterbögen interssiert, sollte zwischen 150 und 450 Euro einplanen.
Text: K. L. / Stand: 18.05.2017